Meine Unterlagen hatte ich vorbereitet. Es waren zwei
Aktenordner mehr als bei der ersten Verhandlung. Mir war vollkommen bewusst das
ich nicht alles was ich vorbereitet hatte, brauchen würde. Es sollte aber keine
Frage unbeantwortet bleiben müssen. Ich wollte diese Instanz endlich zuende
bringen.
Am Tag zuvor waren Journalisten mit mir unterwegs. Für mich war das eine sehr
angenehme Ablenkung. Sie waren auch nicht aufdringlich, sondern einfach
nur..?.?.?.. menschlich.
20 Monate hatte ich auf diesen Tag gewartet und war mir doch bewusst das es
weiter gehen würde. Dennoch würde der weitere Weg, mit einem Freispruch,
sicherlich leichter werden.
RA
Wenzel sah recht übermüdet aus als ich in das Gericht kam. Er war morgens aus
Hamburg angereist. RA Lindemann kam kurz nach mir. Der Gerichtsdiener rief uns
in den Saal und der Richter eröffnete die Verhandlung. Die Staatsanwältin
verlass die Anklage und ich wurde gefragt ob ich mich äußern wolle. Ich wollte
und erzählte einen Teil meiner Krankengeschichte und wie ich zum Cannabis
gekommen bin, das mir diese lange Prozessgeschichte so langsam alles zerstört,
was mir wichtig ist und das ich es heute zuende bringen möchte. Der Richter
stellte noch zwei Fragen die ich beantwortete. Meine Anwälte stellten
verschiedene Anträge. Der letzte Antrag lautete: „ Das Gericht möge, bevor
es eine weitere Aussetzung in Erwägung zieht, noch einmal mit den Anwälten Rücksprache
halten.“ Der Sinn des letzten Antrages war es, alle anderen Anträge zurückziehen
zukönnen, damit das Gericht ein Urteil fällen kann. Ich möchte nicht zum
Verbrecher gestempelt werden, aber ich möchte in die nächste Instanz. So oder
so endet dieser Prozess erst vor dem Verfassungsgericht. Dort bekomme ich
sicherlich recht. Der Richter und die Schöffen zogen sich, zur Beratung über
die Anträge zurück.
Nach ca. 30 Sekunden waren sie wieder im
Gerichtssaal. „ Ich setze die Verhandlung aus.“ Das war echt hart. RA
Lindemann sprang auf: „ Mein letzter Antrag lautete........, um genau dieses
zu vermeiden und die Sache endlich voran zutreiben.“
Der Richter meinte, er habe das anders verstanden.
Ich hätte heulen können, ich bat den Richter, mich zu verurteilen aber es
blieb bei der Aussetzung.
" Das muss doch entwürdigend sein," meinte eine Reporterin als ich
den Gerichtssaal verlies.