Es war schon ein beklemmendes Gefühl, als Angeklagter vor Gericht zu sitzen.
Ich war morgens 2 Stunden früher als notwendig aufgestanden. Im Gerichtssaal
wollte ich fit sein. Nachdem die Staatsanwältin die Anklage verlesen hatte,
habe ich meine Krankengeschichte und die medikamentöse Nutzung von Cannabis
eingestanden. Während meines Vortrages verlas der Richter die 3 Atteste meiner
Ärzte.
Im Anschluss an meine Rede äußerte sich der Richter mit den Worten: "
Jetzt hat die Sache einen anderen Gesichtspunkt Frau Staatsanwältin."
RA. Wenzel stellte den Antrag, den von mir, beim Bundesamt für Arzneimittel und
Medizinprodukte eingereichten Antrag zur Bewilligung einer medikamentösen
Nutzung von Cannabis, zu verlesen. Dieser Antrag umfasst 111 DIN A4 Seiten.
RA. Lindemann stellte den Antrag, die Sache auszusetzen und dem
Verfassungsgericht, zur Entscheidung vorzulegen. Wenn der Richter diesen Schritt
macht kann der Fall in 4 Jahren entschieden werden, wenn ich mich durch die
Instanzen klagen muss sind es 7, und der Fall kommt vor das Verfassungsgericht.
Das Gericht zog sich kurz zur Beratung zurück und setzte den Fall dann aus, um
den Antrag von RA Lindemann zu prüfen. Zuvor konnten meine Anwälte noch
weitere Anträge einreichen.
Ich war erst einmal nicht verurteilt worden, aber die von RA Lindemann genannten
Zeiten haben mich erschreckt. Der Prozess hat mir schon 9 Monate lang Angst
gemacht. Ich habe mich in dieser Zeit mit dem Zeug von der Strasse versorgt und
konnte mir einfach nicht vorstellen das das solange gut gehen kann. Aber ich hätte
mir auch nicht vorstellen können das der Richter über 8 Monate braucht um den
Fall zu prüfen, dass es 11 Monate bis zur Wiederaufnahme dauern würde.